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Rezensionen

Georg Thiel
21 Rezensionen



Vergangenheitsbewältigung mit einem Schuss Humor... 02. Mai 2018
Das Thema ist nicht neu. Im Grunde hat es schon einen langen Bart - viele Menschen berichten mir von eine gewissen "Erschöpfung", sich wiederholt mit der ehrlosen Geschichte des Nationalsozialismus in Österreich und seinen Auswüchsen auseinandersetzen zu müssen.
Und doch erscheint das Thema so brisant wie nie. Antisemitismus und generell die Angst vor dem Fremden, dem Andersartigen nehmen zu in einer Welt, die von turbulenten Veränderungen gekennzeichnet ist. Migrationsströme und technologische Entwicklungen sind zwei markante Beispiele dafür. In einer globalisierten Welt erscheint die ganze Menschheit betroffen und wir erfahren in aller Betroffenheit von den Menschen in aller Welt. So betrachtet ist die Problematik des Rassenhasses bzw. interkultureller Konfliktherde hoch aktuell und in vielen Regionen dieser Erde ungelöst.
Der Autor Georg Thiel hat für mein Dafürhalten eine positive Form gefunden, mit dem Thema des Antisemitismus, des sich Erhebens über andere, umzugehen, es lesbar zu machen und bei aller Betroffenheit zum Schmunzeln zu kommen.
Thiel ist kein Komiker, aber er schreibt tragisch-komisch, mit einem zwinkernden Auge.
Das erleichtert uns die Auseinandersetzung mit dem Inhalt seines Romans auf eine sehr ansprechende Weise. Der durchaus bissige, ironische Schreibstil macht das Buch zu einem gelungenen Werk. Viel Vergnügen beim Lesen!
schweres Thema, leicht geschrieben, überraschend einfaches Ende 01. Mai 2018
Es hat lange gebraucht, das Buch in die Hand zu nehmen; schon wieder dieses Thema. Dann war es aber kurzweilig, tiefgehend und sehr berührend, wie Georg Thiel mit dem Thema "Nazi" umgegangen ist. Er schafft die Gratwanderung zwischen berührend und Wut auf das, was einige unserer Vorfahren getan oder unterlassen haben, herrlicher Ironie auf die österreichische Obrigkeitshörigkeit und einer aus der Tiefe der vorurteilsbehafteten Erinnerung geprägten Milieustudie desseinerzeitigen Landlebens an der Grenze zwischen Ost und West. Zwischendurch von der Geschichte etwas gestelzt, aber mit einem hervorragenden Sprachwitz. Absolut erstklassig das für mich sehr überraschende Ende. Und alles dreht sich letztlich um ein Bild.
Sehr empfehlenswert, sollte in keiner Bibliothek fehlen.
Es gibt keine Verjährung! 30. April 2018
Eine verblüffend andere Art der Vergangenheitsbewältigung. Ein Engländer stellt sich in Wien seinen Wurzeln und seinem Trauma, das er während des Naziregimes als Kind erlebte. Ein einfacher Auftrag für den Fotoreporter in Brüssel wird zu seiner Reise zu sich selbst und seiner Vergangenheit. Seine Wegbegleiter unterstützen ihn sowohl in finanzieller und organisatorischer, als auch in emotionaler Hinsicht. Sie sind ausgeprägte Charaktere, denen es zu verdanken ist, dass dieses ernste Thema mit einer Portion Humor gestaltet werden konnte. Es sind schon sehr viele glückliche Zufälle, die dem Hautakteur zu Hilfe kommen, zu viele für eine reale Geschichte. Aber es muss nicht immer eine reale Geschichte sein, um die Grausamkeiten des menschlichen Verhaltens während des Regimes aufzuzeigen. Eine empfehlenswertes Lesevergnügen, eine Tragikomödie der besonderen Art!
Ein Engländer - zurück zu seinen Wurzeln ! 28. April 2018
"Eine gute Geschichte"... Titus' Mitwirken am Anfang des Buches versprach witzig und amüsant zu werden, es liest sich fließend. Titus bekommt einen Auftrag als Fotograf von der Weltausstellung in Brüssel Bilder zu machen. An seiner Seite ein Reporter namens Rupert, dessen Persönlichkeit sehr nervtötend sein kann...er redet einfach zu viel. Der Abschnitt des Romans in dem das Ausstellungsgelände von den Beiden erkundet wird, wirkt auf mich skurill, mit komischen Sprüchen und ironischem Witz durchzogen. Es wäre für mich beim Lesen ermüdend geworden, hätte Thiel die vielen historischen Details und den Humor weggelassen. Die Beschreibung der Reise nach Wien, mitten hinein in Titus' früheres Leben, liest sich leicht. Mich machte neugierig wie die Situation bzw. das Treffen mit einer bestimmt Person aus Titus' jungen Jahren als Jud(enkind) verläuft und letztlich endet.
An jenem Montag...
....lies selbst und erfahre mehr über die Gefühle, die Todesangst (wie kurz vor einer Hinrichtung) eines Jungen die sich in kürzester Zeit unter den Anweisungen eines Mannes mit Hakenkreuzbinde zusammenbrauen und das ganze Leben dadurch prägen. Schlimm!
Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken, froh zu sein im Hier und Jetzt leben zu dürfen. Uns geht es wirklich gut!
Szenen aus dem Fotolabor 24. April 2018
Leserunde Heyn, Isabella und Gerhard Hopfgartner

Ausgelöst von einem Schwarz-Weiß-Foto, - ein Junge kniet auf der Straße und schreibt „Jud“ auf die Hauswand, unter Aufsicht eines Uniformierten mit Hakenkreuz-Binde am Arm -, fädelt der Ich-Erzähler Szene für Szene auf und gibt dem Leser Einblicke in die 60er Jahre. Die gegenwärtigen Beziehungs-, Gesellschafts- und Politikmiseren werden erst verständlich durch die Rückschau, die bis in den entlegensten Ort Österreichs führt.
Entsprechend der Arbeitsweise eines Fotografen arbeitet der auktoriale Erzähler die Konturen seiner „Mitmenschen“ genau heraus und lernt im Erkennen der anderen sich selbst immer besser kennen.
Ein kurzweiliger Roman, der den Leser trotz der grundlegend düster durchschimmernden Grundfarbe ob der Thematik von Schuld und Sühne immer wieder durch Formulierungen und Ideen aufzuheitern weiß. Etwa, wenn er Gebisse von alten Menschen beschreibt, die so aussehen, als wären sie seit Generationen weitervererbt worden.
Der Autor überrascht im Jahre 2018 mit Detailwissen aus dem Jahre 1958 und malt dabei ein österreichisches Geschichtsbild von anno dazumal. Ein lesenswerter Versuch und gelungener Mosaikstein, sich mit der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich auseinanderzusetzen.

Jud, ein szenenreicher Roman, erschienen 2018 im Braumüller-Verlag.