Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies, und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.

Rezensionen

Georg Thiel
21 Rezensionen

1 | 2 | 3 | >> 


Historische Gerechtigkeit – konstruiert 26. Juni 2018
Der Roman konstruiert eine erstaunliche Symmetrie zwischen der Opferrolle des Helden in der Vorkriegszeit und seiner – nahezu gewaltfreien – Übernahme der Befehlsgewalt über seinen früheren Peiniger in der Nachkriegszeit. Das könnte der Stoff zu einem modernen Märchen sein, wenn da nicht die psychologische Dimension wäre, die dem Märchen bekanntlich fremd ist: Der beruflich wie privat stets scheiternde Photograph Titus Springs wandelt sich im Schatten Siegmund Freuds zu einem schlagfertigen, findigen und in der Herstellung von Gerechtigkeit erfolgreichen Akteur, dem auch die Liebe zufällt. Den Übergang bewirkt eine Eisenbahnfahrt nach Wien und der Anblick eines Photos, mehr nicht. Wenn's weiter nichts ist – auf nach Wien, und die Welt kommt in Ordnung.
Vergangenheitsbewältigung mit einem Schuss Humor... 02. Mai 2018
Das Thema ist nicht neu. Im Grunde hat es schon einen langen Bart - viele Menschen berichten mir von eine gewissen "Erschöpfung", sich wiederholt mit der ehrlosen Geschichte des Nationalsozialismus in Österreich und seinen Auswüchsen auseinandersetzen zu müssen.
Und doch erscheint das Thema so brisant wie nie. Antisemitismus und generell die Angst vor dem Fremden, dem Andersartigen nehmen zu in einer Welt, die von turbulenten Veränderungen gekennzeichnet ist. Migrationsströme und technologische Entwicklungen sind zwei markante Beispiele dafür. In einer globalisierten Welt erscheint die ganze Menschheit betroffen und wir erfahren in aller Betroffenheit von den Menschen in aller Welt. So betrachtet ist die Problematik des Rassenhasses bzw. interkultureller Konfliktherde hoch aktuell und in vielen Regionen dieser Erde ungelöst.
Der Autor Georg Thiel hat für mein Dafürhalten eine positive Form gefunden, mit dem Thema des Antisemitismus, des sich Erhebens über andere, umzugehen, es lesbar zu machen und bei aller Betroffenheit zum Schmunzeln zu kommen.
Thiel ist kein Komiker, aber er schreibt tragisch-komisch, mit einem zwinkernden Auge.
Das erleichtert uns die Auseinandersetzung mit dem Inhalt seines Romans auf eine sehr ansprechende Weise. Der durchaus bissige, ironische Schreibstil macht das Buch zu einem gelungenen Werk. Viel Vergnügen beim Lesen!
Exzellente Typen, gute Story 02. Mai 2018
Auf eine (irr)witzige Reise in die eigene Vergangenheit macht sich Titus Strings alias Streicher in diesem Roman von Georg Thiel. Auf seinen Wegen vom düsteren Manchester des Jahres 1958 in die Weltausstellungsstadt Brüssel über die verhasste Heimatstadt Wien bis in die tiefste Provinz Bruchleithens (!) und retour muss sich der Protagonist seinen traumatischen Erlebnissen in der Nazi-Zeit stellen. Dabei wird er von einer Vielzahl exzellent gezeichneter Typen begleitet (erwähnt sei vor allem der Feuilletonist Rupert), die neben der gut gebauten Story das Lesen zur ebenso vergnüglichen wie nachdenklichen Abrechnung mit der jüngeren österreichischen Geschichte machen. Das ganze andere Buch zum Gedenkjahr mit großem Wiedererkennungseffekt. Absolut empfehlenswert!
Vergangenheitsbewältigung mit Humor und Zynismus 02. Mai 2018
Rechtzeítig zum Gedenkjahr 2018 ein Roman der sich mit der Vergangenheitsbewältigung eines Opfers der Nazizeit in Österreich beschäftigt.
Das erste Drittel ist etwas langatmig, dann jedoch gewinnt die Geschichte an Tempo. Dem Autor gelingt es mit Humor und Zynismus die Reise eines Engländers, der mit 15 Naziösterreich verlassen musste, zurück in die Vergangenheit zu beschreiben.
Übrerraschend humorvoll trotz des Themas.
Unbedingt lesen.
Unglaublich! 02. Mai 2018
Es ist die Geschichte des Fotografen Titus und seiner unaufgearbeiteten Vergangenheit als Naziopfer, die Georg Thiel erzählt. Ob Manchester, Brüssel oder Wien, jeder dieser Orte bedient sich auf unnachahmliche Art einer angepassten Ausdrucksweise. Aber das Ende in Bruchleiten ist für mich eine Meisterleistung. Zweieinhalbmal gelesen, einfach unglaublich.
Die Macht der Demütigung 02. Mai 2018
20 Jahre nach dem Anschluss Österreichs kehrt Fotograf Titus, in die Stadt seiner (Alb)träume zurück. Thiel erzählt uns die Geschichte über den Zusammenprall von Macht und Ohnmacht, Angst, Unterwerfung, Demütigung, …
Erstklassige Sprache, mit dem Witz wie ästhetischer Eispickel, mit Spitze und Schneide.

Nach 80 Jahren, dürfen wir keinen Schlussstrich unter die NS-Zeit ziehen, weil die Gesellschaft – darunter all jene, die einst „arisierte“ Wohnungen, Galerien, Kanzleien geerbt haben, nach wie vor die Nutznießer der einstigen NS-Verbrechen sind.

Sehr gut recherchiert. Ein kleines Buch mit einem großen Anspruch.
Einfach großartig! 01. Mai 2018
Jud von Georg Thiel beschreibt rückblendenartig die vielfältigen Traumatisierungen des Hauptprotagonisten Titus in den Kriegsjahren 1938-1945. Ein Österreichbesuch
dient der Aufarbeitung versteckter Verletzungen und wird schließlich der Ausgangspunkt für ein erfüllteres, zukünftiges Leben. Dem Autor ist es wunderbar gelungen die schwierige Thematik der Judenverfolgung leichtfüßig zu erzählen. Dieses spannend geschriebene Buch ist absolut empfehlenswert.
Freud lässt grüßen 01. Mai 2018
Ein zufällig entdecktes Foto regt zur Vergangenheitsbewältigung an und die österreichische Seele wird mit all ihren dunklen Seiten freigelegt.
Das Erzählte klingt für mich zu konstruiert und klischeehaft, daher konnte mich das Buch nicht besonders fesseln.
schweres Thema, leicht geschrieben, überraschend einfaches Ende 01. Mai 2018
Es hat lange gebraucht, das Buch in die Hand zu nehmen; schon wieder dieses Thema. Dann war es aber kurzweilig, tiefgehend und sehr berührend, wie Georg Thiel mit dem Thema "Nazi" umgegangen ist. Er schafft die Gratwanderung zwischen berührend und Wut auf das, was einige unserer Vorfahren getan oder unterlassen haben, herrlicher Ironie auf die österreichische Obrigkeitshörigkeit und einer aus der Tiefe der vorurteilsbehafteten Erinnerung geprägten Milieustudie desseinerzeitigen Landlebens an der Grenze zwischen Ost und West. Zwischendurch von der Geschichte etwas gestelzt, aber mit einem hervorragenden Sprachwitz. Absolut erstklassig das für mich sehr überraschende Ende. Und alles dreht sich letztlich um ein Bild.
Sehr empfehlenswert, sollte in keiner Bibliothek fehlen.
Vergangenheitsbewältigung 01. Mai 2018
Leider hat mich schon der Titel des Buches nicht sehr zum Lesen animiert.
Und trotz sprachlicher Finesse konnte mich nur der
Abschnitt über den entlegenen, miefigen Ort Bruchleithen begeistern.
Ein Roman über die Aufarbeitung der Vergangenheit, gewünscht hätte ich ihn mir in einem anderen Kontext.
1 | 2 | 3 | >>