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Rezensionen

Kent Haruf
10 Rezensionen



Achterbahn der Gefühle 03. Februar 2018
Inhalt:

Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Die siebzehnjährige Victoria Roubideaux ist schwanger. Den Vater des Kindes, eine Sommerliebe, kennt sie kaum. Aber sie will das Kind unbedingt zur Welt bringen, auch wenn ihre Mutter sie deswegen aus dem Haus geworfen hat.

Durch die Vermittlung ihrer Lehrerin Maggie Jones kommt Victoria auf der Farm von Raymond und Harold McPheron unter, zwei rauhbeinigen, unverheirateten alten Viehzüchtern, die mehr Ahnung von Kühen als von Menschen haben. Doch je größer Victorias Bauch wird, desto weniger klar wird gleichzeitig, wem mit diesem Arrangement mehr geholfen ist: dem Mädchen oder den alten Herren.

Es ist möglich, die Einsamkeit zu durchbrechen – auch für Maggie, die ihren betagten Vater pflegt, auch für ihren Lehrerkollegen Tom Guthrie und seine beiden Söhne, die von ihrer Mutter verlassen wurden. Davon erzählt auf ergreifende Weise Kent Harufs bekanntester Roman.


Meine Meinung:

Kent Haruf entführt seine Leser in die fiktive Kleinstadt Holt im US-Bundesstaat Colorado.

Die Umgebung ist total klasse beschrieben, mit vielen liebevollen Details, so fühlt man sich als Leser sofort mittendrin.

Die Charaktere waren sehr abwechslungsreich und interessant dargestellt. Besonders gut haben mir die McPheron-Brüder gefallen. Man kann sich in sie hineinversetzen und ihre unglaubliche Entwicklung hautnah miterleben. Ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen. Aber auch die anderen Figuren waren zum größten Teil toll gezeichnet. Vicky wächst einem mit jeder gelesenen Seite auch immer mehr ans Herz, genauso wie Ike und Bobby. Weniger gut gefallen hat mir dagegen Tom Guthrie, der Vater von Ike und Bobby. Er blieb mir zu blass und zu fremd.

Die vielen unterschiedlichen Themen, wie Schwangerschaft, Depressionen, Demenz und viele andere, hat der Autor grandios in eine unterhaltsame, teils auch sehr amüsante Geschichte gepackt.

Man geht beim Lesen durch Höhen und Tiefen, spürt die Verzweiflung und die Hoffnung der Menschen. An manchen Stellen muss man sich ein Tränchen verkneifen, an anderen könnte man sich vor lauter Unverständnis und Wut die Haare raufen.

Sprachlich hat mich dieses Buch total begeistert. Es liest sich super flüssig. Anfangs hat mir die Wörtliche Rede ein bisschen gefehlt, aber daran gewöhnt man sich schnell. Jeder Protagonist hat seine eigenen Kapitel, die meist relativ kurz sind. Dies ist ein Grund, warum man nur so durchs Buch fliegt. Man kanns kaum abwarten bis es bei der gewünschten Figur weitergeht, ein wahrer Pageturner.


Fazit:

Hier kann ich euch nur ans Herz legen, dieses Buch zu lesen. Mir hats bis auf ein paar Seiten, die ich einfach überflüssig für die Geschichte fand, sehr gut gefallen.
Ruhiger Roman mit wichtigen Themen 25. Dezember 2017
Der Roman Lied der Weite (Originaltitel: Plainsong) spielt ebenso wie Kent Harufs Erfolgsroman "Unsere Seelen bei Nach" in der fiktiven US-amerikanischen Kleinstadt Holt, angesiedelt in Colorado. An "Unsere Seelen bei Nacht" kommt dieser Roman vielleicht nicht ganz ran, hat aber vergleichbare Qualitäten und Themen, wie die Bewältigung des Alltags, das Gesellschaftsleben in einer Kleinstadt und vor allen die Einsamkeit. Als die junge Victoria ungewollt Schwanger und von der Mutter rausgeschmissen wurde, ist sie isoliert. Ihr Freund Dwaynne ist verschwunden. Die engagierte Maggie Holt vermittelt ihr eine Wohnmöglichkeit bei zwei älteren Männern, die McPheron-Brüder, die sich bald rührend um die junge Frau kümmern. Auch andere Bewohner der Stadt werden portraitiert. Auffällig ist, dass das Kleinstadtleben realistisch gezeigt wird, auch vergleichbar mit der deutschen Provinz. Die Menschen hier sind zurückhaltend und bleiben unter sich. Insbesondere mit Tom Guthrie und seinen Söhnen Ike und Bobby konnte ich überraschend wenig anfangen. Für den Leser ist es nicht einfach, den introvertierten Figuren nahe zu kommen.
Leitsterne sind daher die McPherons und ihr anständiges, gütiges Verhalten.
Es bleibt zu hoffen, dass Diogenes weitere Bücher des leider schon verstorbenen Schriftsteller Kent Haruf veröffentlichen wird.
Ein wenig Menschlichkeit 09. Dezember 2017
von cosmea
Der wieder aufgelegte Roman “Lied der Weite“ (Originaltitel: Plainsong, 1999) von Kent Haruf spielt in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado. Er erzählt die Geschichte von acht Personen, die auf die eine oder andere Weise an einem Scheideweg angekommen sind. Da ist der Lehrer Tom Guthrie mit seinen beiden 9 und 10 Jahre alten Söhnen Bobby und Ike. Seine Frau leidet unter Depressionen, wendet sich von der Familie ab und verlässt sie schließlich. Die 17jährige Schülerin Victoria wird schwanger, ihre Mutter setzt sie vor die Tür. Hilfe findet Victoria bei ihrer Lehrerin Maggie Jones, die sie für einige Tage bei sich aufnimmt und dann bei den Brüdern Harold und Raymond McPheron auf der abgelegenen Rinderfarm unterbringt. Die unverheirateten McPherons haben ihr Leben lang allein gelebt und müssen die Kunst der Konversation erst wieder erlernen. Sie zeigen jedoch Menschlichkeit und Mitgefühl, als es darum geht, spontan zu helfen. Mit der Zeit entwickelt sich von beiden Seiten Zuneigung genauso wie bei Tom Guthrie und seiner Kollegin Maggie Jones.
In dem ruhig erzählten Roman geht es nicht um spektakuläre Ereignisse. Der Autor will vor allem zeigen, dass zwischenmenschliche Beziehungen und Familie wichtig sind. Gemeint sind dabei nicht nur biologisch zusammengehörige Familien. Familien können auch neu zusammengesetzt werden und hervorragend funktionieren: zwei alte Männer geben einer jungen Frau und einem Baby Sicherheit und ein Heim. Die Mitglieder mehrerer zerbrochener Familien machen einen neuen Anfang, übernehmen Verantwortung, verändern sich. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Buch auch die Landschaft der Great Plains, das Wetter, der Wechsel der Jahreszeiten, die Beleuchtung. Die überaus warmherzige Geschichte vermittelt eine optimistische Grundhaltung und ist für den Leser auch aufgrund der sprachlichen Qualität eine positive Erfahrung.