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Flöhe, Ratten und die Pest 05. Juni 2020
von Ele95
Die Henkerstochter und der Fluch der Pest, Historischer Kriminalroman von Oliver Pötzsch, 736 Seiten, erschienen im Ullstein Verlag.
Wieder befindet sich die Henkersfamilie Kuisl mitten drin in einem aufregenden Kriminalfall, erschreckende Parallelen zur aktuellen Corona-Krise.
Im Sommer 1679 breitet sich die Pest von Wien in Richtung Bayern aus. Der Schongauer Scharfrichter Jakob Kuisl wird von einem offensichtlich Pestkranken, dem Kaufbeurer Henker aufgesucht, der kurz darauf zusammenbricht. Bevor er stirbt, flüstert er Jakob Kuisl noch ein paar rätselhafte Worte ins Ohr. Zusammen mit seiner Tochter Magdalena und seinem Schwiegersohn, Simon dem Medicus macht sich der Henker auf nach Kaufbeuren um der Sache auf den Grund zu gehen. Wieder einmal begibt sich die Familie dabei in höchste Gefahr.
Das Buch besteht aus 25 längeren Kapiteln, die aber in überschaubare Leseabschnitte aufgeteilt sind. Die einzelnen Kapitel sind mit genauer Orts- und Zeitangabe versehen, somit ist der chronologische und räumliche Überblick an jeder Stelle des Buches möglich. Viele schlagfertige und mundartliche Dialoge, zum Teil in derber Sprache, machen das Geschriebene lebendig. Gedanken, bayrische Ausdrücke und fremdländische Phrasen sind kursiv kenntlich gemacht. Der Autor besticht mit seiner bildhaften Erzählweise, dadurch konnte ich mir die beschriebenen Figuren und auch das Setting genau vorstellen. Die auktoriale Erzählweise ermöglicht den Überblick über die Handlungen und auch Innenansichten der Charaktere sind möglich. Die Dramatis Personae am Anfang und die Ansicht der Stadt Kaufbeuren im Jahr 1679 waren sehr hilfreich. Zu Beginn ist die Sage des Rattenfängers von Hameln angeführt. Ich habe schon die meisten Bände der Henkerstochter Saga gelesen, deshalb waren mir die Hauptcharaktere vertraut, Lesefluss stellte sich sofort ein. Der Spannungsbogen zieht sich vom Anfang bis zum „explosiven“ Ende und ist gleichbleibend hoch. Die ganzen Intrigen und Untaten zu durchschauen, lies mich das Buch kaum aus der Hand legen. Da mehrere Familienangehörige an verschiedenen Orten ihre Abenteuer erlebten endeten die einzelnen Erzählstränge oft an den aufregendsten Stellen. Meine Lieblingsfigur der bärbeißige Grantler Jakob Kuisl, wie immer zupackend wenn es Not tut. Besonders faszinierend fand ich die Ursachenmeinung und Behandlungsmethoden der Pest in der damaligen Zeit. Da es noch bis Ende des 19.Jahrhunderts dauerte, bis der Erreger Yersinia Pestis eindeutig als Grund für diese Geißel der Menschheit bestimmt werden konnte, sind die Beobachtungen und Aufzeichnungen von Simon und Peter, vom Autor gut in die Geschichte eingebaut. Erschreckend finde ich, dass im zweiten Weltkrieg noch Pesterreger als biologische Waffen in Betracht gezogen wurden, wie der Autor im Epilog erläutert. Die Parallelen zur momentanen Pandemie und die beschriebenen Folgen (Ausgangsbeschränkungen, Einreiseverbote, Absage von Volksfesten usw.) hat Plötzsch bei seiner Arbeit am Buch, noch nicht wissen können, umso mehr finde ich es faszinierend wie erschreckend nahe er mit seinem Buch, der aktuellen Lage, jetzt über 300 Jahre später kommt. Da hatte Plötzsch seinen Finger ganz nah am Puls der Zeit und das Werk ist deshalb m.M. nach ganz besonders authentisch.
Der kleine Reiseführer für Kaufbeuren und Umgebung am Ende des Buches hat mir gefallen und lädt den Leser ein, sich das Setting einmal selbst anzusehen. Wieder einmal hat mich ein Band der Reihe begeistert und hervorragend unterhalten. Eine hervorragende Recherche kann ich nur bestätigen. Die Figuren sind gut charakterisiert und auch der Plot ist absolut nachvollziehbar. Von mir 5 Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
Wenn die Ratten tanzen... 05. Juni 2020
von Sorko
Am Anfang die Sage vom Rattenfänger zu Hameln, dann ein ziemlich grausiger Prolog; der Einstieg in diese Geschichte lässt den Leser schon Schlimmes erahnen.
Nach langer Zeit will die Familie von Jakob Kuisl sich mal wieder in Schongau treffen. Nicht alle sind begeistert, aber schließlich stimmen sogar Barbara und ihr Mann zu. Nur der Peter muss vorher noch mit seinem Freund Max, dem zukünftigen bayerischen Kurfürsten, nach Wien reisen. So einem Freund kann man ja nicht einfach absagen, auch wenn in Wien schon über das Auftauchen der Pest gemunkelt wird. Und so beginnt für Peter eine abenteuerliche Reise, die ihm sehr viel abverlangen wird. Derweil feiert Kuisl Jakob mit den Seinen das Wiedersehen in einem Schongauer Wirtshaus. Da taucht völlig unerwartet sein alter Freund Näher, der Henker aus Kaufbeuren, in der Gaststube auf. Er hat offenbar die Pest und bricht kurz darauf zusammen. Vorher stammelt er noch etwas von einem schwarzen Reiter, der in Kaufbeuren mit seiner Pfeife zum Tanz aufspielt und von einem Mörder mit zwei Gesichtern. Kuisl soll Kaufbeuren retten. Der Näher stirbt, und Jakobs Gehirn beginnt in gewohnter Manier zu arbeiten. Gestärkt von dem guten bayerischen Gerstensaft und seinem bevorzugten Pfeifenkraut beginnt er an der Lösung dieses Falles zu arbeiten. Dazu muss er natürlich an den Ort des Geschehens reisen, nach Kaufbeuren. Magdalena und Simon begleiten ihn dorthin. Sie finden eine Stadt im Ausnahmezustand vor und ziemlich ratlose Stadtobere, die einen seltsamen Eindruck machen.

Viele Geheimnisse gilt es aufzudecken, viele Rätsel sind zu lösen. Das zieht sich eine Weile hin, doch es wird nie langweilig. Der achte Band von Oliver Pötzsch um Magdalena und ihre Sippe ist der bisher umfangreichste dieser Serie. Hochspannend, informativ und sehr gut geschrieben, wie seine Vorgänger auch. Pötzsch versteht es, den Leser von den ersten Seiten an mitzunehmen und bis zum Schluss zu fesseln. Mir hat das wieder sehr gut gefallen. Natürlich sieht man auch den Bezug zur aktuellen Pandemie, manche Maßnahmen (Abschottung, Masken) kommen einem doch vertraut vor. Das war wohl eher Zufall, wie der Autor im Nachwort betont, aber es zeigt uns, dass man vor Seuchen immer auf der Hut sein muss. Auch heute noch. Und das gewisse Kreise sogar bereit sein könnten, eine Seuche auch als Waffe zu benutzen, das dürfte auch heute noch so sein.
Ein gelungenes achtes Buch, das bestimmt noch nicht das Ende dieser Reihe bedeutet. Ich freue mich schon auf das nächste Abenteuer von Kuisl und Co.
Sophies Weg zum Glück 05. Juni 2020
von Aline
Sophie träumt seit jeher von einem mintgrünem Foodtruck, doch stattdessen versauert sie als Empfangsdame hinter dem Tresen einer Filmfirma vor sich hin.
In ihrer Beziehung mit Tim könnte es auch ein wenig deftiger zugehen, der schiebt sie wie einen Gegenstand hin und her, wie es ihm gerade passt. Glücklich mit ihrem Leben ist Sophie jedenfalls nicht.
Doch plötzlich wendet sich das Blatt, und durch Zufall eröffnen sich für Sophie ganz neue Perspektiven, die alles Bisherige verändern. Eher unfreiwillig stolpert Sophie mitten hinein ins neue Abenteuer, und wächst über sich hinaus.

Ich wollte eine nette Liebesgeschichte lesen, bekommen habe ich etwas anderes.
Bereits beim ersten Kapitel musste ich aufstöhnen. Da stolpert Sophie nämlich wie der grösste Pechvogel durch das Kapitel, alles läuft schief und der Tag wird noch immer schlimmer. Ich weiß nicht ob Sophie dadurch charmanter und sympatischer wirken sollte, ich fand diese Szenen eher bemüht und auch anstrengend zu lesen.
Zum Glück war das nur im ersten Kapitel so, sonst hätte ich das Buch sehr schnell abgebrochen.
Jedenfalls lernt man dann Sophies Alltag bei der Arbeit kennen. Gefallen haben mir die beiden Bürozicken, und der Chef, der immer im falschen Augenblick auftaucht.

Gefallen hat mir Sophie meistens, auch wenn sie eine durch und durch unsichere Person ist. Manchmal geht sie regelrecht in Selbstzweifel auf, und sucht die Schuld bei sich selbst. Das Fehlverhalten anderer Leute entschuldigt sie zu schnell, weil sie keinen Streit möchte. Manche ihrer Ängste konnte ich gut nachvollziehen, oft musste ich über Sophie auch nur den Kopf schütteln.
Richtig nervig fand ich aber die ständigen Erwähnungen von Sophies Bauch. Sie leidet unter einem Reizdarm, und immer wenn Sophie ängstlich, nervös oder sonst eine Gefühlsregung zeigt, macht auch ihr Bauch Geräusche. Diese Momente gibt es sehr oft und die ganze Aufmerksamkeit wie Sophies Bauch sie bekommt, hätte ich lieber bei der ein oder anderen Nebenfigur gesehen.
Es gibt eine große Bandbreite an Figuren, da kann man als Leser schon mal durcheinander kommen. Besonders dann, wenn viele der Figuren nur selten auftauchen, da wusste ich oft schon gar nicht mehr, wer diese Figur nochmal war. Selbst bei den wichtigeren Personen ist mir das passiert.
Eigentlich wird nur Sophie, als Ich-Erzählerin, eingehender behandelt. Was auch okay ist wenn man sich als Leser von der Idee verabschiedet, eine Liebesgeschichte lesen zu wollen. Selbst der Typ, in dem sich Sophie verliebt, wird weniger oft erwähnt als Sophies Bauch. Es ist also weniger eine Liebesgeschichte, sondern eher die Geschichte über Sophies Weg zum eigenen Glück.

Fazit: "Die Liebe fällt nicht weit vom Strand" ist eine nette Geschichte über eine junge Frau, die versucht ihre Träume zu erfüllen und die lernen muss, nicht immer allen alles Recht machen zu wollen. 2,5 bis drei Sterne!