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Tiefes Grab
von Nathan Ripley
Thriller für die lange Zugfahrt durch die Nacht 17. Juli 2019
Dieser Thriller um Serienmörder hat einen originellen Ansatz
Hauptfigur ist ein Mann, der ermordete Frauen findet und die Funde der Polizei meldet.
Das dient dazu, dass die Opfer beerdigt werden können und die Angehörigen endlich Gewissheit haben.
Teilweise ist der Roman in erster Person geschrieben. Man erfährt von ihm und seinem Leben mit Frau und Tochter, denen er seine Tätigkeit verschweigt.
Seine Suche ist schon sehr obsessiv. Interessant ist die Frage nach der inneren Motivation des Mannes.
Zum Teil ist eine ermittelnde Polizistin im Mittelpunkt.

Schließlich kommt es zur Konfrontation mit einem Serienmörder. Ab da wird der Thriller konventioneller, da viel mit Stereotypen gearbeitet wird und manches ist vorhersehbar.
Nach sehr guten Beginn würde ich den Mittelteil als durchschnittlich bezeichnen. Zum Finale hin gibt es noch mal eine Steigerung.

Auf einer langen Zugfahrt durch die Nacht ist das Buch gute Unterhaltung!

Rosentod
von Hans-Peter Vertacnik
Hat mich nicht vollends überzeugt 17. Juli 2019
„Rosentod“ ist ein Thriller aus Hans-Peter Vertacniks Feder. Der Autor war lange Jahre selbst Kriminalbeamter und kennt daher die „Szene“.

Worum geht’s?

Die Kriminalbeamtin Ulla Spärlich wird von ihrer alten Dienststelle in Graz in die kleine Universitätsstadt Leoben versetzt. Als einzige Frau im Team der Kripo hat sie eine schweren Stand in dem männerbündlerischen Team. Dann verschwindet eine Studentin der Montan-Uni und keiner, außer Ulla, will an ein Verbrechen glauben. Als dann die Vermisste tot und eine zweite weiblichen Leiche tot aufgefunden werden, steht die Dienststelle ein wenig ratlos da und ein Ermittler des LKA Steiermark steht vor der Tür. Blöderweise handelt es sich dabei um den ehemaligen Freund Ullas, der nichts unversucht lässt, Ulla zu desavouieren.

Meine Meinung:

Grundsätzlich versteht es der Autor realistische Figuren darzustellen.
Der Dienststellenleiter, der als Führungskraft völlig versagt und hauptsächlich durch blöde Sprüche und dem täglichen Zitat aus einem Kalender auffällt, den gibt es in der einen oder anderen Form sicherlich nicht nur bei der Polizei.

Ulla Spärlich selbst ist ebenfalls eine schwierige Person. Ihre traumatische Kindheit und Jugend sowie eine extrem klammernde Mutter haben Spuren auf ihrer Seele hinterlassen. Zum Teil lebt sie das Leben ihrer Mutter, die von ihrem Mann wegen einer jüngeren, schlankeren Frau verlassen worden ist. Daher lebt sie von Appetitzüglern, Schmerztabletten und zu viel Alkohol – unheilvolle Kombination. Ihre Alleingänge und ihr konfuses Privatleben machen sie nicht unbedingt sympathisch. Außerdem trägt sie ein (dienstliches) Geheimnis mit sich herum, das erst recht spät gelüftet wird. DAS verstehe ich als Beamtin ja gar nicht. Die Polizei ist ja ein recht inzestuöser Haufen, wo jeder jeden kennt und die Buschtrommeln bestens funktionieren als anderswo. Dass dieser Vorfall vor vier Jahren in Graz, keinem der Kollegen bekannt sein soll, ist unglaubwürdig. Das chaotische Privatleben mit einem viel jüngeren Studenten, der sie (und viele anderen Frauen)ausnützt sowie die Verhältnisse mit zwei Kollegen sind nachvollziehbar. Die Szene, in der sich der aktuelle und abgelegte polizeiliche Liebhaber prügeln, habe ich mit Schmunzeln gelesen.

Die Ermittlungen kommen über den Befindlichkeiten von Ulla stellenweise ins Hintertreffen. Da hätte einiges gestrafft werden können. Mehrmals ist von Unterleibsschmerzen Ullas die Rede und man wartet auf einen Blutsturz oder einen akuten Blinddarm – nichts dergleichen. Der Polizeiarzt stellt dann eine Diagnose, die man glauben kann oder auch nicht.

Der Autor erzählt den Krimi aus mehreren Perspektiven und so dürfen wir auch die Sicht des Mörders kennen lernen. Ich habe den Täter relativ früh ausgemacht. Das stört mich grundsätzlich einmal nicht, denn ich finde es immer spannend, die Ermittlungsarbeit der Polizei zu beobachten.

Die Motive des Täters sind durchaus schlüssig.
Was mich wundert ist, dass die Ermittler, die schon Jahre in Leoben ihren Dienst tun, so wenig vom Brauchtum der Studenten der Montanuni wissen.
Aufgefallen ist mir noch, dass mehrfach von einem „Oberbürgermeister“ die Rede ist. So etwas gibt es in ganz Österreich nicht. Ob da ein deutsches Lektorat zugeschlagen hat?

Leider ist dieser als Thriller beschriebene Krimi nicht das beste Buch des Autors. Mir gefallen die Reihen um Peter Zoff bzw. Radek Kubica viel besser. Vielleicht liegt es daran, dass dort männliche Ermittler im Mittelpunkt stehen, deren Darstellung einfach glaubwürdiger ist.

Fazit:

Ein Thriller, der nicht zu den besten Büchern des Autors zählt. Leider kann ich hier nur 3 Sterne vergeben.

Bretonisches Vermächtnis
von Jean-Luc Bannalec
Rache für die SÜnden der Väter 17. Juli 2019
Dieser nunmehr achte Fall für Georges Dupin, den sympathischen Kommissar aus Concarneau ist wieder besser gelungen als der vorhergehende.

Diesmal wird er vor mehrere Herausforderungen gestellt. Da ist zum einem das Pfingstwochenende mit dem drohenden Besuch seiner Schwiegereltern in spe, das ihm auf die Nerven geht, zum anderen befinden sich seine Mitarbeiter Nolwenn, Riwal und Kadeg auf Urlaub bzw. Elternkarenz. Ja, und der Mord selbst. Der wird nämlich just in seinem Wohnort Concarneau verübt. Was zuerst wie ein Heimspiel aussieht, wird dann doch eine komplexe Mordermittlung, bei der es nicht nur bei einer Leiche bleiben wird, sondern ein Krimi des Altmeister Maigret eine bedeutende Rolle spielen wird.

Dann erschüttert eine Explosion in der Schiffswerft die Idylle. Besteht hier ein Zusammenhang mit den Toten oder ist das Ganze ein Ablenkungsmanöver oder ein Anschlag?

Der Verdächtigen gibt es viele und auch der Bürgermeister gerät ins Visier der Ermittler.

Meine Meinung:

Nachdem der letzte Band eher zu einem Fremdenführer durch das Finistère verkommen ist, bietet nun der Autor wieder mehr Krimispannung.
Es werden – auf Grund der urlaubsbedingten Abwesenheit dreier seiner Mitarbeiter, zwei neue Charaktere eingeführt, die sich recht gut machen. Ich hoffe, die beiden Frauen dürfen bleiben und in weiteren Fällen ihre Rollen spielen. Amüsant finde ich, dass Dupin Kadeg und Nolwenn mit Hilfe der Gendarmerie aus dem (wohlverdienten) Urlaub holen lässt, weil er auf deren wertvolle Arbeit nicht verzichten kann. Vor allem Nolwenn ist nach wie vor unentbehrlich, wenn es um Geheimnisse des Ortes oder um das elegante Herbeiholen von Informationen geht.

Claire, Dupins Freundin, ist ja an die unregelmäßigen Arbeitszeiten gewöhnt, zumal sie als Ärztin auch keinen „nine-to-five“-Job hat. Claires Mutter nervt Dupin (und die Leser) ungemein, glaubt sie doch das Klischee der unfähigen, Pause machenden Polizisten bestätigt.

Ein genialer Schachzug ist das Integrieren von Georges Simenons Krimi „Der gelbe Hund“ in die Handlung. Dieser Kriminalroman spielt zu Beginn eine zunächst unklare Rolle. Bald jedoch wird Dupin der Zusammenhang mit den aktuellen Mordfällen klar.

Fazit:

Diesmal wieder ein gelungener Krimi aus dem Finistère, dem ich gerne wieder 5 Sterne gebe.
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