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Elena Ferrante

Meine geniale Freundin

Kindheit und Jugend. Roman
Hardcover
Suhrkamp 2016
Übersetzt von Karin Krieger
422 Seiten; 215 mm x 140 mm
Auflage: 8. Aufl.
ISBN: 978-3-518-42553-4


Verfügbar oder lieferbar in 48 Stunden

Ebenfalls verfügbar als:
22.70 EUR
(inkl. USt.)
 
Besprechung
"So etwas haben Sie noch nie gelesen."<br /> The Guardian "Ein grandioses Zeitpanorama!"<br /> Franz Haas, Neue Zürcher Zeitung Online 01.04.2016

Langtext
Sie könnten unterschiedlicher kaum sein und sind doch unzertrennlich, Lila und Elena, schon als junge Mädchen beste Freundinnen. Und sie werden es ihr ganzes Leben lang bleiben, über sechs Jahrzehnte hinweg, bis die eine spurlos verschwindet und die andere auf alles Gemeinsame zurückblickt, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen.<br /> <br /> Im Neapel der fünfziger Jahre wachsen sie auf, in einem armen, überbordenden, volkstümlichen Viertel, derbes Fluchen auf den Straßen, Familien, die sich seit Generationen befehden, das Silvesterfeuerwerk artet in eine Schießerei aus. Hier gehen sie in die Schule, die unangepasste, draufgängerische Schustertochter Lila und die schüchterne, beflissene Elena, Tochter eines Pförtners, beide darum wetteifernd, besser zu sein als die andere. Bis Lilas Vater seine noch junge Tochter zwingt, dauerhaft in der Schusterei mitzuarbeiten, und Elena mit dem bohrenden Verdacht zurückbleibt, eine Gelegenheit zu nutzen, die eigentlich ihrer Freundin zugestanden hätte.<br /> <br /> Ihre Wege trennen sich, die eine geht fort und studiert und wird Schriftstellerin, die andere wird Neapel nie verlassen, und trotzdem bleiben Elena und Lila sich nahe, sie begleiten einander durch erste Liebesaffären, Ehen, die Erfahrung von Mutterschaft, durch Jahre der Arbeit und Episoden politischer Bewusstwerdung, zwei eigensinnige, unnachgiebige Frauen, die sich nicht zuletzt gegen die Zumutungen einer brutalen, von Männern beherrschten Welt behaupten müssen.<br /> <br /> Sie bleiben einander nahe, aber es ist stets eine zwiespältige Nähe: aus Befremden und Zuneigung, aus Rivalität und Innigkeit, aus Missgunst und etwas, das größer und stiller ist als Lieben. Liegt hier das Geheimnis von Lilas Verschwinden?<br /> <br /> Elena Ferrante hat ein literarisches Meisterwerk von unermesslicher Strahlkraft geschrieben, ein von hinreißenden Figuren bevölkertes Sittengemälde und ein zupackend aufrichtiges Epos - über die rettende und zerstörerische, die weltverändernde Kraft einer Freundschaft, die ein ganzes langes Leben währt.

Eine Frauenfreundschaft von Kind an 05. M?rz 2017
von PFIFF

Im ersten Teil der Tetralogie beschreibt Ferrante die Kindheit und Freundschaft von Kindern in Neapel, ihre Entwicklung, ihren schulischen Werdegang.
Elena darf nach der Pflichtschule weiter aufs Gymnasium. Ihre Freundin Lila muss bei ihrem Vater in der Schusterwerkstatt mitarbeiten, bis sie Stefano kennen undlieben lernt und ihn heiratet mit nicht einmal 17 Jahren.
Wir lesen von Menschen im Rione, dem Viertel Neapels, in dem Handwerker, Cafe-Besitzer und Arbeiter wohnen und sich handgreifliche Auseinandersetzungen liefern, ums ?berleben k?mpfen, konkurrieren und f?r ihre Kinder eine bessere Zukunft w?nschen.
Die Tr?ume der jungen M?dchen haben nichts mit den Jungs zu tun, die zur Verf?gung stehen und die heftig um die Gunst der heranwachsenden M?dchen buhlen.
Der Beginn einer langen Freundschaft 02. November 2016
von Regina
Elena, Mitte 60, erh?lt einen ?berraschenden Anruf vom Sohn ihrer besten Freundin Lila: Diese ist verschwunden. Und mit ihr alles, was in irgendeiner Form ein Beweis f?r ihre Existenz sein k?nnte. Elena ist davon weit weniger ?berrascht als Lilas Sohn und nimmt dieses Ereignis zum Anlass, die Geschichte ihrer Freundschaft schriftlich festzuhalten.
Sie beginnt Mitte der 50er Jahre im Rione, einem armen Viertel von Neapel. Verm?gend ist dort niemand (und wenn, dann bestimmt nicht auf legalem Weg), Gewalt bestimmt den Alltag. Man verdient nicht viel, trinkt daf?r umso mehr und Streitigkeiten werden mit den F?usten ausgetragen und vererben sich von den Eltern auf die Kinder. Hier begegnen sich die freche Lila und die sch?chterne Elena und sind bald unzertrennlich. Sie wetteifern darum, wer die Beste in der Schule ist, was Lila ?beraus leicht f?llt. Doch w?hrend Elenas flei?iges Lernen mit dem Besuch einer weiterf?hrenden Schule belohnt wird, muss Lila in der Schusterei ihres Vaters mithelfen.
Es ist eine grausame und archaische Zeit, in der die beiden M?dchen aufwachsen. Doch Lila verf?gt ?ber eine derart gro?e Intelligenz, Wissbegier und ein immenses Selbstbewusstsein, dass sich selbst die Jungen vor ihr f?rchten und manche Erwachsene eingesch?chtert sind. Elena, ebenfalls intelligent, findet in Lila ein Vorbild, dass ihr die Kraft gibt, sich anzustrengen um in der Schule voranzukommen - ein Weg, der Lila verwehrt bleibt. W?hrend Elena eine Klasse nach der anderen besucht und sogar auf das Gymnasium kommt, wird es f?r Lila immer schwieriger je ?lter sie wird, ihre Unabh?ngigkeit zu bewahren.
Das Buch ist weit mehr als 'nur' die Geschichte einer Kinder- und Jugendfreundschaft. Die unter einem Pseudonym schreibende Autorin l?sst ein Neapel auferstehen, das ich beim Lesen stets deutlich vor Augen hatte: die Armut, den Dreck, die heruntergekommenen H?user und mittendrin die Menschen, die sich so gut wie m?glich durchschlagen. Es ist ein Sittengem?lde des Neapels der F?nfziger Jahre, das so eindrucksvoll und ?berzeugend geschrieben ist, dass ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die folgenden B?nde lesen werde, die in Italien bereits vor mehreren Jahren erschienen sind. Vielleicht ist es nicht ganz einfach zu lesen (jede Menge 'Personal' mit italienischen Namen - aber es gibt ein Personenverzeichnis) und nicht immer eine chronologische Erz?hlweise, aber die M?he lohnt sich. Mir sind alle Figuren sehr ans Herz gewachsen und ich freue mich schon auf den Folgeband!
Sitten- und Zeitgem?lde Neapels nach dem Zweiten Weltkrieg UND Bild einer lebenslangen Freundschaft 04. September 2016
F?r die beiden gleichaltrigen M?dchen Elena, die Ich-Erz?hlerin, und ihre beste Freundin "Lila" ist Armut ein st?ndiger Begleiter, w?hrend wir sie als Kinder und Heranwachsende begleiten. Es ist das Leben der ?kleinen Leute? in einem Viertel, einem sogenannten Rione, in Neapel. Die Sprache ist derb, Dialekt, auch der Umgang miteinander ist derb, Gewalt ist allgegenw?rtig: Ehem?nner schlagen ihre Frauen, beide die gemeinsamen Kinder, diese pr?geln sich untereinander. M?nner pr?geln f?r ihr Ehrgef?hl, einander, ihre Schwestern, deren Verehrer; der Ruf eines M?dchens wird zerst?rt mit Ger?chten in einem wenig aufgekl?rten, meist verklemmt wirkenden Umfeld der gegenseitigen Missgunst. "Der P?bel, das waren wir. Der P?bel, das war das Gezanke ums Essen und um den Wein, war das Gestreite darum, war zuerst und besser bedient wurde, war dieser dreckige Fu?boden, auf dem die Kellner hin und her liefen, und die immer vulg?rer werdenden Trinkspr?che." S. 421

Das soll auf keinen Fall jemanden abschrecken; im Buch wirkt das alles, so seltsam sich das jetzt lesen mag, nat?rlich, folgerichtig: so ist halt das Leben in diesem Viertel, in dieser Zeit. Der Autorin Elena Ferrante gelingt es, ein Sittengem?lde der einfacheren Leute in Neapel darzustellen anhand des Aufwachsens dieser beiden M?dchen nach dem Zweiten Weltkrieg (1980 sind sie 36 Jahre alt, also geboren 1944). Schuldbildung spielt keine wichtige Rolle f?r die Eltern in diesem Umfeld, besonders ein M?dchen findet mehr Anerkennung f?r eine "gute Partie". Lila und Elena sind gut in der Schule, besonders Elena f?hlt sich durch Lila herausgefordert, die immer einen Hauch mutiger ist als sie, kompromissloser, als Charakter ungew?hnlich fokussiert. Doch Lilas Vater erlaubt nicht den ?bergang seiner Tochter in die Mittelschule ? Elena hat mehr Gl?ck, f?hlt sich dabei aber immer im Nachteil gegen?ber der Freundin, sieht das, was ihr widerf?hrt, immer nur im ? meist negativ f?r sie selbst ausfallenden ? Vergleich mit der anderen, die zun?chst im Selbststudium weiter gegen die gesellschaftlichen Regeln aufbegehrt. Die Geschichte wird erz?hlt als R?ckblick aus der Alterssicht Elenas: "Es war eine alte Angst, eine Angst, die mich nie verlassen hatte, die Angst, mein Leben k?nnte an Intensit?t und Gewicht verlieren, wenn ich Teile ihres [Lilas] Leben verpasste." S. 265

Entsprechend fesselte mich die Lekt?re nicht nur durch die atmosph?risch dichte Darstellung von Milieu und Zeit, sondern auch durch das enge Aufeinander-Bezogen-Sein der beiden Kinder und Jugendlichen, das man ausschlie?lich aus der Sicht von Elena dargestellt bekommt. Ich konnte einiges von Elenas Verhalten nicht nachvollziehen, wohingegen mir gleichzeitig ihre gesamte Person komplett nachvollziehbar erschien, wie widerspr?chlich auch immer das jetzt erscheinen mag ? eine meisterhafte Darstellung von Charakteren mit allen Ecken und Kanten, eine nicht immer sympathische, aber glaubw?rdige Ich-Erz?hlerin ist mutig! Ein Problem hatte ich mit der schieren Personenf?lle, wogegen zwar mit einem Verzeichnis zu Beginn des Buches und auf dem mitgelieferten Lesezeichen versucht wurde, entgegenzusteuern, was bei mir aber doch den Lesefluss etwas hemmte. Hingegen war der gelegentliche Wechsel der Autorin von gut lesbaren fl?ssigen S?tzen zu einigen echten verschlungenen Bandwurms?tzen nicht abtr?glich, sondern passte eher zum jeweiligen Gem?tszustand Elenas. Ein Buch, das wiederzugeben oder auch nur weiter zu charakterisieren ?ber ?Sitten- und Zeitgem?lde? und ?Buch ?ber eine lebenslange Freundschaft? hinaus schwer f?llt, sich entzieht.

Am Ende dieses auf vier B?nde angelegten ersten ins deutsche ?bersetzten Teils eines Romanzyklus stehen die beiden Protagonistinnen am ?bergang zum Leben als Erwachsene ? mit einigen schmerzhaften Erkenntnissen. Ich ermutige, selbst herauszufinden, wer hier die ?geniale Freundin? ist, auch das Zitat am Anfang sollte nochmals nach der Lekt?re in Erinnerung gerufen werden. Ich f?hlte mich unterhalten, ?ber ein Milieu informiert, zum Nachdenken angeregt ? und h?tte doch ein dickeres Buch und daf?r weniger Teile bevorzugt.

Ein passendes Folge- oder Alternativbuch f?r Deutschland ist von Ulla Hahn 2Das verborgene Wort".